Neu in der Sammlung: »The Medici Souvenir« von Elmar Hess

1.3.2018

»The Medici Souvenir« – Detail aus der Installation »La Mère Perdue« des in Berlin lebenden Künstlers Elmar Hess bereichert seit kurzem die Werkgruppe der Medaillen im Sammlungsbestand.


Mit Arbeiten von Germaine Koh, Gil Shachar, Helmut Zobl, Franziska Schwarzbach sowie Elly Baltus und Anne de Vries, die für die niederländische Art Reserve Bank Medaillen gestaltet haben, befinden sich in der Sammlung höchst differenzierte Ergebnisse eines künstlerischen Exkurses zwischen (inszenierter) angewandter und freier Kunst. Grenzüberschreitend wirken ›Quasi‹-Münzen von Andor Orand - der sich mit seinen Kreationen »Squared Dollar« und »Quadrat-Mark« sogar um deren Zulassung als Zahlungsmittel bemühte - oder beispielsweise die in ›Münzgestalt‹ realisierten Künstlerwährungen von Vadim Zakharov (aus der »Danaë«- Installation, Russischer Pavillon - Biennale Venedig 2013). Wie spannend das Ganze sein kann, zeigte unlängst die Ausstellung »Kunst prägt Geld: MUSE MACHT MONETEN« im Bode-Museum zu Berlin mit eigens für dieses Projekt im Rahmen eines offenen Wettbewerbs geschaffenen Medaillen von mehr als 30 Künstlern, Medaillen aus dem Bestand des Berliner Münzkabinetts und einigen der o. g. Werke der Sammlung Haupt.

Einen speziellen, historisch bedeutsamen Aspekt des Umgangs mit Geld hat Elmar Hess aufgegriffen, indem er auf die Kaufmanns-Dynastie der Medici aus Florenz verweist, die als Begründer des modernen Bankwesens gilt und die europäische Finanzwelt der frühen Neuzeit dominierte.

Florentinische Zahlungsmittel des 16. Jahrhunderts mit Darstellungen von Mitgliedern der Medici-Familie adaptierend hat Hess Ippolito de' Medici (1511-1535), den illegitimen Sohn von Giuliano di Lorenzo de' Medici (1479-1516) ›porträtiert‹, bezugnehmend auf die Darstellung in einem Gemälde von Tizian aus dem Jahr 1533.

Die Medaille »The Medici Souvenir« ist ein Detail aus Hess’ Installation »La Mère Perdue«. Sie besteht aus vier Rauminszenierungen und thematisiert inwieweit Wertevorstellungen und kulturelle Bedeutung objektivierbar sind. 
Inhaltlicher Ausgangspunkt der Installation ist ein historisches Ereignis: 1962 wurde das Bildnis der »Mona Lisa« zu einer Ausstellung in die USA gebracht - an Bord des Ozeanriesen »France«. In der Arbeit von Elmar Hess wird das Ereignis in Bezug gesetzt zu einem autobiografischen Erlebnis des Künstlers, einer Begegnung mit der »France« Jahrzehnte später. Die persönlich prägende Bedeutung dieses Augenblicks stellt »La Mère Perdue« dem kulturellen Allgemeinwert der »Mona Lisa« gegenüber. 

Die Installation von Elmar Hess bezieht sich dabei auch auf die Entstehungsgeschichte der »Mona Lisa«: Einer Theorie zu Folge, entstand Da Vincis Gemälde als Auftragsarbeit der Medici und zeigt die Darstellung einer Geliebten Giuliano de Medicis und Mutter seines unehelichen Sohnes Ippolito, die nach dessen Geburt 1511 verstarb. Der erste Raum von Hess' Installation thematisiert diese vermutete Begebenheit. Die Münze »The Medici Souvenir« - das fiktive Florenz-Souvenir mit Konterfei des Ippolito des Medici - liefert dabei den Verweis an die Geschichte des Kardinals, dessen Erinnerung an seine verstorbene Mutter durch Da Vinci Gemälde geprägt wurde.

PDF mit weiteren texten und Bildern aus der Installation »La Mère Perdue«  zum Weiterlesen.

Hinweis aktuelle Ausstellung:
Elmar Hess – Einen Frieden später
Eröffnung am 9.3.2018 in der Stadtgalerie Kiel